Der Drachennerv von Sierning

Ein Tatsachenbericht aus Hinterhuglhapfing und Umgebung, Bezirk Dipstrüüh.

Drachen sind nervöse Lebewesen. Sie dösen zwar den ganzen Tag, aber des Nachts werden sie penetrant aufdringlich, ja manchmal sogar zudringlich. Ihre Verführungskünste sind fast legendär, denn eines ist gewiss: ein Drache ist sicher der bessere Genußküsser. Jedenfalls glauben das viele der Luftträgerfrauen aus der Wasserbauchburg zu Sierning. Eigentlich ist bis jetzt kaum etwas genaues zu diesem Thema in die Analen des Großspeicherbeauftragten eingegangen, doch die Gilde der hinterwäldlerischen Luftträger behauptet seit undenklichen Zeiten steif und fest, daß Drachen sich jungen ungesättigten Luftträgerjungmaiden des Nachts nähern würden und diese bedrängen, den Drachenkuss zu vollziehen. Der Drachenkuss ist an und für sich noch nicht unschicklich, doch kann es dabei geschehen das  daß Objekt der Drachenbegierde den rituellen Hosenträgerschnalzer der Jungdrachen erleben muß. Wahrlich kein Höhrgenuss für ungesättigte Jungmaiden. Aus diesem Grunde wird in der Hochwinterandachtsnacht der siebente Drachennerv des linken Drachengewölles gezogen (was nicht weh tut), der Nerv wird in den Großspeicher der Burg eingefügt, wo er sieben Drachenjahre in der Würzkräutersauce ruht, um nach erfolgter Einweihung in die Drachenorden der höheren Vollgeruchssekte, in das Gewölle wieder eingesetzt wird. Nach Vollzug der rituellen Einsetzung wird der Drache kaum noch hinterhältigerweise Jungmaiden beachten da diese den traditionellen Geruchsverschluß beeinträchtigen.

Reifere Luftträgerfrauen werden ohnehin kaum den Drachenmeistern begegnen, da das tragen der dicken Luft die volle Aufmerksamkeit der Trägerin erfordert. Drachenmeister selbst regulieren mittels Gummibärchenschleuder  die Reizdrüsen des aktiven Drachengeschlechts.  Außerdem verwenden die Drachenmeister ein aus Levitationsadeptenschleim gewonnenes Gel, um die Geruchsverschlüsse der Drachenhosenträger zu versiegeln. Dringt allerdings der Levitationsadeptenschleim in die Hosenträgerlubrikationsvorrichtung reibt sich der Hinterlappen des Drachengewölles so Wund, daß die Drachen dies als Verstoß gegen den § 32/37/7 der Drachenverkehrsordnung ansehen und berechtigte Beschwerde beim unteren Dickluftverordnungsamt einlegen. Im allgemeinen wird dieser Beschwerde recht gegeben und die Nachlässigkeit des Drachenführers streng bestraft, so das dieser die Hosenträger strafweise von Hand schmieren muß. In der Gilde der Drachenmeister gilt dies als besondere Demütigung!

Die Dreigeschlechtlichkeit der Drachen ist allerdings Anlaß zu vielen weiteren Problemen im wohlgediegenen Zusammenleben von Mensch und Drache. Deshalb und nur zu diesem Behufe, sollen hier die ohnehin jedem Kind geläufigen Geschlechter und deren Aussehen und Verhalten beschrieben werden: Der erste Drachenstatus ist der Breitzler. Der Breitzler  sondert im Regelfalle das sogenannte Schluntzwasser ab. Dieses Wasser ist Ausgangspunkt der weiteren Fortpflanzung und wird deshalb auch als Urschluntzsuppe bezeichnet. In alten Zeiten wurde die Urschlunzsuppe von den sogenannten Suppenkaspern geraubt, um es  zu schwarzgebranntem zu verarbeiten. Heute wird das Schluntzwasser von speziell ausgebildeten Urschlunzwächtern behütet. Hat der Breitzler das Wasser abgesondert, was in der Regel viele Stunden dauern kann, wird das zweite Geschlecht, die sogenannten  Schrittschmeitzler aktiv, um raschen Schrittes das Schlunzwasser zu quirlen. Das gequirlte Schluntzwasser  wird bei Vollmond und Windstärke 7, 21 Tage „geranzelt“. Ist die Ranzreife erreicht, wird der sogenannte „Edelranz“ zu Kugeln gerollt und mit Drachenblut zur „Blutranzigen Gärung“ gebracht. Das vollgegärte Edelranz wird dann dem dritten Geschlecht, den sogenannten Lustkuglern übergeben. Das Wort Lustkugler ist ein Hinweis auf das sogenannte „edelharte Lustkugelorgan“ welches notwendig ist um den Edelranz zur Vollreife zu bringen. Das Lustkugelorgan ist eine breite Hautfalte in der untersten Gesäßritze des Lustkuglers. Dortselbst erfolgt durch ständige Reibung und der beiläufigen Hinzufügung von Dinkelflocken der eigentliche Zeugungsakt. Dieser vollzieht sich für den interessierten Betrachter völlig Geruchslos, allerdings kommt es in folge zur Absonderung von elastischen Schwebekristallen. Diese wieder, geben in der folge unzüchtige Geräusche von sich, welche im ganzen Land als  Lederfettsubstitut verwendet werden. Unzählige Sagen und Legenden ranken sich um das Lustkugeln welches stets unter Ausschluß des Rechtsweges vollzogen wird.  Die Kammer der untertänigsten Besenhüter und die Gilde der geschäftstüchtigen Pflichtfurzer beschäftigen sich seit Urzeiten mit den Legenden rund um das Drachenkugeln. Es wird gemunkelt das in den Zeiten, als Erzherzog Rüdebald der Geräuschlose regierte, das Edelranz entwendet wurde um als Dünger für Venusfallen Verwendung zu finden. Der Göttin Artemis wird nachgesagt, daß sie bei ihren Jagdstreifzügen Edelranz mitführte um die seltenen Steppenbasilisken anzulocken. Diese wurden angesichts des Edelranzes stocksteif und man konnte sie ungestraft mit Kräuterbutter bestreichen. Die Drachen jedenfalls tarnten das Edelranz in jener Zeit als Literaturbeilage der Landesilustrierten, die eh niemand laß, und so konnten sie das wertvolle Gut vor zudringlichen Nasen schützen.

Nun ist die Zeit gekommen wo nur mehr wenige Drachen zu finden sind. In mondhellen Nächten in Wampersdorf an der Schnarzing,  kann man noch das charakteristische Geräusch vernehmen, wenn das Schlunzwasser gequirlt wird, doch diese Freuden werden immer seltener. Immer mehr und mehr ziehen sich die Drachen aus der breiten Öffentlichkeit zurück, fürchten sie doch die Forderungen der Kirche des Grünen Beutelschneiders nach Zwangsmittgliedschaft und ablegen des obligatorischen Gelübdes, sich alle Sendungen mit Vera Russwurm ansehen zu müssen. Wahrlich eine Zumutung für das geistreiche Drachengeschlecht. So wird denn die Kunde von den alten Tagen in unseren Kühlschränken weiterleben, als romantische Mähr voll falschem Zauber und hauchdünnem Quargel!

Dieser Auszug aus dem Drachennerv von Sierning von Anasthasius Wurmbeutler dem 27. wurde im Jahre 1765 im Rinnsal der Tierkadaververwertung Simmering gefunden, wo er von wackeren Leichenwäschern bis zum heutigen Tag verwahrt wird. Nur am Internationalen Tag der Nekrophilie wird er herausgebracht und unter reger Anteilnahme der hiesigen Obrigkeit und des ansässigen Klerus verlesen.

Wir werden uns es nicht nehmen lassen auch weiter darüber zu berichten!    

 

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